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Altskandinavische Feste
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Als altskandinavische Feste werden die Veranstaltungen (MĂ€rkte usw.) und die heidnischen religiösen Feiern im frĂŒhen Skandinavien und in Island behandelt.
Contents
âą Quellen
âą Das BlĂłt
âą Familienfeste
âą Festtermine
âą Das Julfest
âą Das Disting
âą MittsommerblĂłt
âą HerbstblĂłt
âą Private Feste
âą Siehe auch
âą Literatur
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Quellen
Ăber den Vollzug der Feiern gibt es kaum Quellen. Die Edda- und Skaldengedichte liefern zwar einen umfangreichen mythologischen Stoff, sagen aber wenig darĂŒber aus, wie ein Ritual vollzogen wurde. Die Sagaliteratur bietet auf diesem Gebiet zwar etwas mehr, ist hier aber von eher zweifelhaftem Quellenwert. Dass die Quellen ĂŒber die Riten so knapp sind, kann daran liegen, dass die schriftliche Ăberlieferung von der Kirche behindert wurde und daher bei Abfassung der Sagas die Riten vergessen waren, wĂ€hrend der mythologische Stoff dichterisch weiterhin verarbeitet werden konnte. Aber die ArchĂ€ologie und die Namensforschung gibt einige weitere Einblicke. DarĂŒber hinaus kann die vergleichende ReligionsphĂ€nomenologie Erkenntnisse liefern, da Ă€hnliche Gesellschaftstypen Ă€hnliche Religionstypen besitzen. FĂŒr die Volksreligion ist ein dezentralisiertes Kultwesen, das Fehlen eines spezialisierten Kultleiters und die Gleichberechtigung von MĂ€nnern und Frauen bei der DurchfĂŒhrung der Kulthandlungen charakteristisch. Daneben geben Ortsnamen und neuere Gesetzestexte mit ihren Verboten bestimmter Kulthandlungen Kunde von den Ritualen. Gleichwohl gibt es keine genauen Beschreibungen. So ist nicht auszumachen, wie ein BegrĂ€bnis im Einzelnen ablief.cite-ref-gs-70-1-0[1]
Ăffentliche Festorte
An den zentralen Thing- und KultstĂ€tten wurden zu Zeiten der ZusammenkĂŒnfte MĂ€rkte abgehalten, religiöse Zeremonien und auch Rechtsakte vollzogen. Solche zentralen Orte waren in vorchristlicher Zeit in DĂ€nemark Viborg, Odense, Ringsted, Lund,cite-ref-ov45-2-0[2] und Gudmecite-ref-gs-69-3-0[3] auf FĂŒnen, in Schweden Uppsala, StrĂ€ngnĂ€s, Skara, Linköping, VĂ€sterĂ„s und Enköping.cite-ref-sl49-4-0[4] FĂŒr Norwegen ist eine solche Verbindung zwischen Kult und Markt fĂŒr Borg belegt, und Island gar nicht, wohl aber zwischen Tingversammlung und Markt. Dies kann auch an der Ă€uĂerst dĂŒrftigen Quellenlage liegen. Die termingebundenen MĂ€rkte â es gab auch dauernde oder wöchentliche, insbesondere fĂŒr Lebensmittel â wurden zu Zeiten der Götterkulte abgehalten und fanden in DĂ€nemark z. B. am 7. Januar, dem spĂ€teren St.-Knuds-Tag, statt und beinhalteten auch groĂe Gelage, weshalb sie auch âDriktingâ (Trink-Versammlung) hieĂen.cite-ref-ov46-5-0[5] Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde dieses Fest, das auch âSnapstingâ genannt wurde, auf den â20. Tag nach Julâ = 13. Januar verlegt. Ein anderer fester Termin war der Johannistag, der in enger Verbindung zur Sommersonnenwende stand. In Norwegen ist Borg auf den Lofoten ein bekannter zentraler Kultplatz.cite-ref-gs-69-3-1[3]
ArchĂ€ologische Untersuchungen haben eine lange Entwicklung der Opferfeste im skandinavischen Raum erwiesen, von groĂen kollektiven Opferzeremonien hin zum Kult am Sitz des Herrschers oder HĂ€uptlings. In der Zeit vom 3. bis 6. Jahrhundert fanden traditionelle Opferzeremonien durch Niederlegung von groĂen Mengen an Waffen und Kriegsgefangenen in Gebieten mit Seen statt. Ab dem 6. Jahrhundert wurden Brakteaten und GoldstĂŒcke an den WohnstĂ€tten der Machthaber niedergelegt, und diese Opfer waren ihm gewidmet.cite-ref-gs-69-3-2[3] Manche Forscher sehen darin einen radikalen Glaubenswechsel, der gesellschaftlich von gröĂerer Bedeutung gewesen sei, als der spĂ€tere Wechsel zum Christentum.cite-ref-gw-6-0[6] Im Ăbrigen fanden private BlĂłts am Hof der GroĂbauern statt.
Das BlĂłt
â
Hauptartikel
:
BlĂłt
Die groĂen öffentlichen Feste fanden zu den Grenzen der Quartale des gebundenen Mondjahres statt. Es handelte sich im Gegensatz zu den christlichen Feiern um heilige Gelage. Die GĂ€ste brachten in der Regel die Esswaren mit. Verzehrt wurde geweihtes Fleisch von Opfertieren und gesegnetes Met oder Bier. Die Quellen bezeugen, dass berauschenden GetrĂ€nken besondere KrĂ€fte innewohnten. In der HĂĄvamĂĄl heiĂt es:cite-ref-ob-7-0[7]
Bier und Met waren FestgetrĂ€nke. Im tĂ€glichen Leben trank man Wasser oder Milch oder ein Gemisch von beidem. Bier konnte nicht gelagert werden. Deshalb wurde es nur fĂŒr Festlichkeiten gebraut.
Der volle Becher ging von Hand zu Hand rund um den Tisch, nachdem er durch eine Segenshandlung Odin fĂŒr den Sieg und dann Njörðr und Freyr geweiht worden war. Mit dem einsetzenden Rausch erhielten die MĂ€nner göttliche Inspiration. Es wurden auch âErinnerungsbecherâ fĂŒr die Verstorbenen getrunken. Diese wurden nicht herumgereicht, sondern jeder trank sein eigenes Horn. AuĂerdem gab es das âBragafullâ, bei dessen Trank man ein GelĂŒbde fĂŒr eine noch zu vollbringende Heldentat ablegte. DafĂŒr wurde ein groĂer Eber in den Raum gebracht, und das GelĂŒbde durch das Auflegen der Hand auf den Eber besiegelt.cite-ref-gs-78-10-0[10]
Durch dieses gemeinsame Gastmahl wurde die Tischgemeinschaft untereinander und mit den Göttern verbunden. Es gab eine Kultformel fĂŒr den gemeinsamen Trank: âTil ĂĄrs ok friðarâ (FĂŒr (ein gutes) Jahr und den Frieden). Der Friede, der hier beschworen wurde, war die Harmonie innerhalb der Sippe und mit den Göttern. Das Wort hatte auch Verwandtschaft mit der Fruchtbarkeit.cite-ref-erl-2-11-0[11] Die Tiere sollten sich vermehren, das Korn wachsen und Mensch und Tier waren bei guter Gesundheit. FrĂŒher hat man diese Formel als spĂ€t unter christlichem Einfluss entstanden betrachtet.cite-ref-gs-79-12-0[12] Aber Anders HultgĂ„rd hat nachgewiesen, dass sich diese Formel schon in vorkirchlichen Quellen findet, so dass es sich um eine sehr alte Kultformel handele.cite-ref-ah-93-13-0[13] Eine schweigende fromme Andacht, wĂ€hrend das Trinkhorn kreiste, wie man es vom christlichen Abendmahl her kennt, stellte sich aber nicht ein, wie die Schilderung eines DisablĂłts in der Egils saga zeigt (siehe unten).
Familienfeste
FĂŒr innerfamiliĂ€re Feste wurde statt âBlĂłtâ hĂ€ufig das Wort âĂlâ verwendet. Das Wort âĂlâ bedeutete im Norwegischen nicht nur Bier, sondern auch âGelageâ. Der Beginn des Lebens bildete das BarnsĂžl (Kindsbier), dann kamen BrudeĂžl (Brautbier) und am Ende GravĂžl oder ArveĂžlcite-ref-14[14] (BegrĂ€bnisbier, Erbenbier), dazwischen oft auch FestensĂžl (Festbier). Besondere rechtliche Bedeutung hatte das âfrĂŠlsis Ăžlâ (Freilassungsbier), das der freigelassene Sklave abhielt und das kĂŒnftige VerhĂ€ltnis zu seinem bisherigen Herrn bestimmte. Der Freigelassene hatte eine bestimmte Menge Bier zu brauen und seinen Freilasser mit einer festgelegte Anzahl GĂ€sten förmlich einzuladen.cite-ref-km-5-15-0[15]
Festtermine
Siehe Hauptartikel Altskandinavischer Kalender sowie die Liste der Germanisch-Neuheidnischen Feiertage
Die Zeit hatte eine mythische Dimension. Sie wurde nach der VöluspĂĄ von den Göttern durch die Regelung des Sonnen- und Mondlaufs geschaffen. Damit hatte die Zeit und die Zeitrechnung auch kultische Bedeutung. Die Feiern waren an den lunisolaren Kalender der damaligen Zeit gekoppelt.cite-ref-nb-85-16-0[16] Grundlagen der Festberechnungen waren: Das gebundene Mondjahr, die Verankerung in einem Achtjahreszyklus, die Wintersonnenwende als entscheidendes Kriterium, ob ein Schaltmonat einzufĂŒgen war, und dass der erste Julmond immer zur Zeit der Wintersonnenwende leuchten musste. Diese vorkirchliche Zeitrechnung lag den rituellen Festzyklen sowie der ökonomischen und juristischen Organisation zu Grunde.cite-ref-nb-100-17-0[17]
Die Hauptfeste fanden offenbar zu Beginn der verschobenen Jahresquartale statt, und diese waren: Die âWinternĂ€chteâ (vetrnĂŠtr, zwischen dem 11.Jul. und dem 17. OktoberJul.), der âMittwinterâ (zwischen dem 9.Jul. und 16. JanuarJul.), der âSommeranfangâ (zwischen 9.Jul. und 15. AprilJul.) und der âMittsommerâ (zwischen dem 13.Jul. und 20. JuliJul.). Drei davon waren Festtermine. Der frĂŒheste Bericht dazu findet sich in der Ynglinga saga des Snorri Sturluson:
âĂĂĄ skyldi blĂłta Ă mĂłti vetri til ĂĄrs, en at miðjum vetri blĂłta til gróðrar, it ĂŸriðja at sumri, ĂŸat var sigrblĂłtâ
âMan soll die Feste feiern zum Winteranfang fĂŒr das Jahreswachstum, zum Mittwinter fĂŒr die Ernte und zum dritten Mal am Sommeranfang. Das ist das Siegesfest.âcite-ref-erl-1-18-0[18]
Aber auch in der Ălafs saga helga werden die drei Feste mehrfach erwĂ€hnt. Am hĂ€ufigsten wird in der frĂŒhen Literatur das Fest zu den MittwinternĂ€chten (zwischen 9.Jul. und 16. JanuarJul.) genannt, wahrscheinlich, weil dies das vorkirchliche lunisolare Neujahr war im Gegensatz zum vorkirchlichen astronomischen Neujahr, das durch die Wintersonnenwende bestimmt war.cite-ref-nb-77-19-0[19] Dieses Mittwinterfest wurde auch âDisablotâ (Fest der Disen) genannt und war wahrscheinlich Fruchtbarkeitsgöttinnen geweiht. In diesem Zusammenhang wird oft auch der Gott Freyr erwĂ€hnt.
Das Fest zum Mittsommer wird wesentlich seltener erwĂ€hnt, und in Ăgrip heiĂt es, dass das Fest in christlicher Zeit zum Johannisfest umgewandelt worden sei.
WÀhrend diese Angaben in der Forschung als wenig zuverlÀssig eingeschÀtzt werden, so scheint doch festzustehen, dass an diesem Termin wichtige Thingversammlungen stattfanden, Gulathing, Frostathing und das Althing in Island.cite-ref-nb-77f-20-0[20]
Im gebundenen Mondjahr entfernte und nĂ€herte sich der Mondmonat gegenĂŒber einem festen Datum im Sonnenkalender periodisch. Im altskandinavischen Kalender begann der Julmond mit dem ersten Sichtbarwerden der Mondsichel nach der Wintersonnenwende. Der Abstand zwischen der Wintersonnenwende und dem ersten Sichtbarwerden der Mondsichel danach Ă€ndert sich von Jahr zu Jahr. Nach 19 Jahren ist der Abstand wieder der gleiche (Goldene Zahl). Dieser 19-jĂ€hrliche Zyklus war möglicherweise auch fĂŒr die altskandinavischen Feste von Bedeutung. Schon Diodor schreibt zu den Hyperboreern:
âApoll kommt je nach 19 Jahren auf die Insel, also zu der Zeit, da die Gestirne [Sonne und Mond] in dieselbe Stellung zurĂŒckkehren; âŠâ
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Die ErwĂ€hnung der Anwesenheit eines Gottes nach Ablauf des Zyklus weist auf die religiöse Bedeutung hin. Allerdings gibt es auĂer dem eher legendenhaften Bericht des Diodor keine Quellen, die fĂŒr Skandinavien auf einen 19-jĂ€hrigen Zyklus hinweisen. DafĂŒr gibt es aber Anzeichen dafĂŒr, dass man zumindest gegen Ende der Germanischen Eisenzeit (375â650 n. Chr.) einen achtjĂ€hrigen Sonnenjahreszyklus fĂŒr die Feste verwendete. Dieser Mondzyklus ĂŒber acht Sonnenjahre beinhaltete bis auf anderthalb Tage genau 99 Mondmonate.cite-ref-nb-79-22-0[22]
In den Quellen ist aber vor allem von einem neunjĂ€hrigen Zyklus die Rede. In Kap. 25 der Ynglinga saga wird gesagt, dass König Aun alle zehn Jahre einen seiner Söhne dem Odin opferte, um sein Leben um weitere zehn Jahre zu verlĂ€ngern. Nachdem er neun Söhne geopfert hatte, wurde er von seinen Untertanen daran gehindert, seinen zehnten und letzten Sohn zu opfern. Und so starb er. In der Historia NorwegiĂŠ und einer weiteren Quelle wird diese Episode ebenfalls erwĂ€hnt, allerdings mit der Abweichung, dass das Opfer alle neun Jahre ausgefĂŒhrt wurde. Vieles spricht dafĂŒr, dass diese Periode die Ă€ltere ist. Thietmar von Merseburg befasst sich mit dem Hauptopferfest in Lejre auf Seeland und dem von Adam von Bremen geschilderten Opferfest von Uppsala. Er schrieb zu Beginn des 11. Jahrhunderts, doch das letzte Opferfest von Lejre wurde unter König Heinrich dem Frommen 934 abgehalten. Thietmar berichtet:
âEst unus in his partibus locus, caput istius regni [Lederun nomine, in pago, qui Selon dicitur], ubi post VIIII annos mense ianuario, post hoc tempus, quo nos theophaniam Domine celebramus, omnes convenerunt, et ibi diis suimet LXXXX [et VIIII] homines et totidem equos, cum canibus et gallis pro accipitribus oblatis, immolant, pro certo, ut predixi, putantes hos eisdem [erga inferos] servituros et commissa crimina [apud eosdem] placaturos.â
âIn jenem Lande liegt als Hauptort ihres Reiches Leire im Gau Seeland; hier kamen sie alle neun Jahre zusammen im Januar nach dem Tage, an dem wir die Erscheinung des Herrn feiern, und brachten ihren Göttern 99 Menschen, und ebensoviele Pferde, Hunde und HĂ€hne (anstelle von Habichten) als blutiges Opfer dar; sie hielten es, wie gesagt, fĂŒr gewiss, dass diese ihnen Dienste bei den Unterirdischen leisten und sie nach begangenen Untaten gnĂ€dig stimmen könntenâ
â
Chronicon I, 17.
Das Intervall von neun Jahren wird auch von Adam von Bremen bei der Schilderung des Opferfestes von Uppsala erwÀhnt:
âOmnibus itaque diis suis attributos habent sacerdotes, qui sacrificia populi offerant. Si pestis et fames imminent, Thor ydolo lybatur, si bellum, Wodani, si nuptiae celebrandae sunt, Fricconi. Solet quoque post novem annos communis omnium Sueoniae provintiarum sollempnitas in Upsola celebrari.â
âAllen ihren Göttern haben sie Priester zugeteilt, die des Volkes Opfer darbringen. Wenn Seuchen und Hunger drohen, wird dem Götzen thor gepfert. Wenn Seuchen und Hunger drohen, dem Wodan, soll eine Hochzeit gefeiert werden, dem Frikko. Auch wird alle neun Jahre in Upsala ein gemeinsames Fest aller schwedischen StĂ€mme begangen.â
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Adam von Bremen: Bischofsgeschichte der Hamburger Kirche. 4. Buch Kap. 17. Ăbersetzung Werner Trillmich.
Die Forschung interpretiert den Text so, dass in Uppsala jĂ€hrlich ein Opferfest stattfand, aber jedes neunte Jahr ein besonders ĂŒppiges.cite-ref-nb-82-24-0[24] Aber auĂer Thietmar berichtet niemand von 99 Opfertieren in Lejre, und manche nehmen an, dass diese Angabe aus den nachfolgenden GrĂŒnden wohl falsch sei.cite-ref-nb-85-16-1[16]
Die besondere Bedeutung der Zahl âneunâ im Neunjahreszyklus (und auch bei der Zahl der Opfertiere) ist mit dem Mondzyklus, nach welchem auch das Disting bestimmt wurde, nicht in Ăbereinstimmung zu bringen. Nach mehreren nicht ĂŒberzeugenden Versuchen der Harmonisierungcite-ref-nb-82-n-25-0[25] hat Otto Sigfrid Reuter eine ErklĂ€rung entwickelt,cite-ref-osr-26-0[26] die sich heute allgemein durchgesetzt hat.cite-ref-nb-82-r-27-0[27] Nach ihm handelt es sich in Wirklichkeit um einen Achtjahreszyklus. Er stellte nĂ€mlich fest, dass es damals zwei Formen des Umgangs mit Ordinalzahlen gab. Heute gilt fĂŒr den Ausdruck âJedes neunte Jahrâ die exklusive Betrachtungsweise: 1â9, 10â19, 20â29 usw. FĂŒr die damalige Zeit ist aber auch die inklusive Betrachtungsweise belegt: 1â9, 9â18, 18â27 usw. Diese inklusive Behandlung lebt heute noch fort, wenn mit dem Ausdruck âin acht Tagenâ das Ende der Siebentagewoche gemeint ist, und im Kirchenkalender bei der Oktav, die nach sieben Tagen endet. Damit wĂ€re der Festzyklus in Uppsala der uralte Achtjahreszyklus gewesen, und Thietmar könnte von der Zahl âNeunâ irregeleitet worden sein. Andererseits besteht der Achtjahreszyklus aus 99 Mondmonaten, so dass Thietmars Angabe nicht völlig unplausibel ist.cite-ref-nb-86-28-0[28] Adam von Bremen schildert in einem nachtrĂ€glichen Scholion (Nr. 141) zu seiner Darstellung des Opferfestes in Uppsala, dass man neun Tage gefeiert habe und jeden Tag einen Menschen und je eines der anderen Tiere geopfert habe, so dass am Ende 72 Lebewesen geopfert worden seien.cite-ref-ab-27-s-29-0[29] Dass angesichts der kultischen Bedeutung der âNeunâ, die durchaus belegt ist, tĂ€glich nur acht Lebewesen geopfert worden seien und so die Zahl 72 zustandekomme, wird fĂŒr ganz unwahrscheinlich gehalten. Vielmehr wird der These der Vorzug gegeben, dass die flieĂende Bezeichnung der Zeitspannen â mal inklusiv, mal exklusiv â es rechtfertigt, dass die Feier nur acht Tage gedauert hat, was zu den Zeitzyklen passen wĂŒrde, und an jedem Tag neun Lebewesen geopfert wurden.cite-ref-saob-30-0[30] Nordberg verweist dazu darauf, dass damals der Tag vom Abend zum nĂ€chsten Abend gerechnet wurde und meint, dass es sich um die acht Abende / NĂ€chte handele, die von neun Tagen umschlossen wĂŒrden.cite-ref-nb-90-31-0[31] Die Wartezeit von acht Tagen oder NĂ€chten spielt eine groĂe Rolle bei Initiationen, Opfern und Riten vor der Hochzeit, bevor am neunten Tag das Ereignis vollzogen wird.cite-ref-nb-96-32-0[32]
Das Julfest
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Hauptartikel
:
Julfest
Prokop schreibt bezĂŒglich der Insel Thule, dass dort die Sonne 40 Tage lang nicht scheine und die Einwohner ein groĂes Fest feierten, wenn Sonne wiederkomme und diese Zeit zu Ende gehe. Im 17. Jahrhundert meinte man, es handele sich um das Julfest.cite-ref-nb-101-33-0[33] Die Schilderung kann sich allenfalls auf eine Gegend weit nördlich des Polarkreises beziehen. Es ist auch nicht sicher, ob es sich um Nachrichten von germanischstĂ€mmigen Einwohnern oder von Samen handelt, die bis Prokop gedrungen sind, so dass gröĂte Vorsicht geboten ist, diese Schilderung mit dem Julfest in Verbindung zu bringen.cite-ref-nb-101-33-1[33]
Snorri berichtet zum Julfest:
âHann setti ĂŸat Ă lögum at hefja jĂłlahald ĂŸann tĂma sem kristnir menn, ok skyldi ĂŸĂĄ hverr maðr eiga mĂŠlis öl, en gjalda fĂ© ella, en halda heilagt meðan jĂłlin ynnist. En åðr var jĂłlahald hafit hökunĂłtt, ĂŸat var miðsvetrar nĂłtt, ok haldin ĂŸriggja nĂĄtta jĂłl.â
âEr (HĂ„kon der Gute) gab ein Gesetz, dass das Julfest kĂŒnftig zu derselben Zeit abgehalten werden sollte wie das christliche Weihnachtsfest. Da sollte jeder ein bestimmtes MaĂ Bier brauen oder sonst Strafe zahlen, und er sollte die Zeit heilig halten, solange das Bier reichte. Vorher hatte das Julfest in der Mittwinternacht begonnen, und dann wurde Jul drei Tage lang gefeiert.â
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Saga Håkonar góða
Kap. 15. Ăbersetzung von Felix Nieder. Bei ihm Kap. 13.
Die MittwinternĂ€chte lagen vier Wochen nach der Wintersonnenwende, also zu Snorris Lebzeiten um den 13. JanuarJul.. Auf der anderen Seite ist der Beginn des Julmonats vor der Wintersonnenwende im Kalender bezeugt, und auch Beda legt die âNacht der MĂŒtterâ (modranect) in diese Zeit. Doch im angelsĂ€chsischen Raum der damaligen Zeit wurde nach Mondmonaten gerechnet, und es gab dort zwei Monate mit Namen âGiuliâ und im skandinavischen Raum die beiden Monate ĂlirâJĂłlmĂĄnuðr. Die Wintersonnenwende lag mitten in dieser Periode. Da sich in einem Mondjahr die Monate gegenĂŒber dem Sonnenjahr aber verschieben, kann die Wintersonnenwende nicht immer genau zwischen den beiden Monaten gelegen haben, sondern nur nach Ablauf eines Achtjahreszyklus. Die Wintersonnenwende war ein astronomischer Fixpunkt im VerhĂ€ltnis zu den beweglichen Julmonaten des Mondkalenders. Der andere Fixpunkt waren die MittwinternĂ€chte, die an die sonnenjahrgebundene Wochenrechnung gekoppelt waren und vier Wochen nach der Wintersonnenwende lagen. Auf diese Weise kamen die MittwinternĂ€chte immer in den zweiten Julmonat zu liegen und damit auch das Julfest. Allerdings geht aus den Quellen nicht hervor, ob das Fest zum Neumond oder zum Vollmond gefeiert wurde.cite-ref-nb-103-34-0[34]
Nach diesen Vorgaben kann man den Zeitpunkt des Julfestes ungefĂ€hr bestimmen. Die verbleibende Fehlerquote hat folgende Ursachen: 1. Die Wintersonnenwende liegt im Gregorianischen Kalender mal auf dem 21., mal auf dem 22. Dezember. Aber fĂŒr die Rechnung muss man sich fĂŒr ein Datum entscheiden. 2. Der astronomische Mondmonat dauert 29,59 Tage. FĂŒr die Rechnung muss man 29 oder 30 Tage nehmen. 3. FĂŒr einen Halbmonat nimmt man vereinfachend 15. Tage. 4. In der vorkirchlichen Zeit rechnete man den Tag vom Abend bis zum Abend des folgenden Tages, bei der gregorianischen Rechnung zĂ€hlt der Tag von Mitternacht zu Mitternacht. Die Fehlerbandbreite, die sich daraus ergibt, betrĂ€gt aber allenfalls wenige Tage.
FĂŒr die folgende Rechnung wird fĂŒr die Wintersonnenwende der 21. Dezember angenommen. Der 2. Julmond beginnt mit dem Erscheinen der ersten Mondsichel danach, also frĂŒhestens am 22. Dezember und spĂ€testens am 19. Januar. Wenn es sich beim Julfest um ein mehrtĂ€giges Fest handelte, das bei Vollmond seinen Höhepunkt erreichte, so lag dieser zwischen dem 5. Januar und dem 2. Februar. Die MittwinternĂ€chte, von denen Snorri ausgeht, lagen zu seinen Lebzeiten um den 13. Januarjul. = 20. JanuarGreg. und damit mitten in der Periode des Vollmondes im zweiten Julmonat.cite-ref-nb-105-35-0[35]
Das Disting
Das Disting war eine FrĂŒhjahrsvollversammlung in Uppsala. Dem Disting folgte das DisablĂłt. Das DisablĂłt wurde in ganz Skandinavien gehalten, in der Regel als private Feier ohne vorhergehende Tingversammlung. Es fand auch nicht immer im FrĂŒhjahr statt. Aus Kap. 44 der Egils saga ergibt sich, dass das DisablĂłt in AtlĂžyna im Herbst zur Zeit des Neumonds gefeiert wurde; denn er begleitet Ălvir, um Grundabgaben einzutreiben, die im FrĂŒhjahr nicht bezahlt worden waren. Als Egill die Festhalle verlĂ€sst, heiĂt es: âĂĂĄ var niðamyrkr Ăști.â (Da war Neumonddunkelheit drauĂen.)
Disen waren ĂŒbernatĂŒrliche weibliche Wesen, die nicht nĂ€her bestimmbar sind, vielleicht Nornen oder gar Freya selbst, jedenfalls Frauen, die mit der Fruchtbarkeit eng verknĂŒpft sind. Da Adam von Bremen bei den Feierlichkeiten von Uppsala unzĂŒchtige Lieder erwĂ€hnt und dort die groĂe Volksversammlung âDistingâ genannt wurde, geht man davon aus, dass das BlĂłt in Uppsala neben Freyr auch den Disen gewidmet war.cite-ref-bmn-23-37-0[37]
Snorri liefert fĂŒr das Disting in Uppsala unterschiedliche Zeitangaben. In der Ynglinga saga schreibt er in Kap 38 von einem schwedischen Gesamtthing in Uppsala im âMittwinterâ (âvar ĂŸat at miðjum vetriâ). In der Saga Ălafs hins helga schreibt er:
âĂ SvÂŽĂŸjóðu var ĂŸað forn landsiður meðan heiðni var ĂŸar að höfuðblĂłt skyldi vera að Uppsölum að gĂłi.â
âIn Schweden war es ein alter Brauch, so lange das Land heidnisch war, dass das Hauptblutopfer im Monat GĂłi zu Uppsala stattfinden sollte.â
â
Kap. 77. Ăbersetzung von Felix Niedner.
Der Monat âGĂłiâ folgte dem Monat âTorreâ und dieser dem Julmonat. Diese Zeitangabe erscheint als die glaubwĂŒrdigere.cite-ref-nb-107-38-0[38] Es handelte sich offenbar um das Disting, von dem auch Adam von Bremen in seinem Scholion 141 schreibt: âHoc sacrificium fit circa aequinoctium vernale.â (Dieses Opfer findet um das FrĂŒhjahrsĂ€quinoktium statt). AuĂerdem schreibt er in Kap. 21, dass die öffentliche Volksversammlung bei den Schweden je nach Kopisten seines Textes âwarh, warph, warc, warchâ oder âwahrâ heiĂe. Das ist das schwedische Wort âvĂ„râ = FrĂŒhling. Der Monat GĂłi, den Snorri nennt, erstreckte sich zu Snorris Zeit nach dem in Island gebrĂ€uchlichen Julianischen Kalender von Mitte Februar bis Mitte MĂ€rz. Das FrĂŒhjahrsĂ€quinoktium lag zur Zeit Adams von Bremen auf dem 15. MĂ€rzJul..cite-ref-nb-108-39-0[39] Fand das Disting zum Vollmond statt, so ergibt sich folgende Rechnung bezogen auf den Gregorianischen Kalender:
Der erste Julmonat war der Monat, in dem der Mond ĂŒber die Wintersonnenwende hinweg schien. Auf ihn folgte der zweite Julmonat und auf ihn âTorreâ und dann âGĂłiâ. Wenn die Wintersonnenwende auf den 21. Dezember fiel, dann konnte der zweite Julmonat frĂŒhestens am 22. Dezember beginnen und GĂłi frĂŒhestens am 19. Februar, spĂ€testens am 20. MĂ€rz. Der dazugehörige Vollmond musste dann zwischen dem 5. MĂ€rz und dem 3. April scheinen. Das FrĂŒhjahrsĂ€quinoktium, das Adam von Bremen anfĂŒhrt, liegt auf dem 21./22. MĂ€rzGreg., also genau zum Vollmond in der Mitte des Monats âGĂłiâ.cite-ref-nb-109-40-0[40]
Snorri schreibt nun in Kap. 77 weiter, dass das Fest nach der EinfĂŒhrung des Christentums auf MariĂ€ Lichtmess verlegt worden sei. Das ist sicher unrichtig. Denn zu seiner Zeit wurde das Disting nach dem Vollmond im Mondkalender bestimmt. Die Festlegung auf MariĂ€ Lichtmess als fixes Datum des Gregorianischen Kalenders geschah erst 1801. Aber Snorri kam 1219 nach VĂ€stergötland, als der maĂgebliche Vollmond gerade am 1. Februar schien. Das könnte Snorri zu der falschen Angabe verleitet haben. Hinzu kommt, dass im frĂŒhen Mittelalter versucht wurde, den Distingsmonat und den Distingsmarkt in Lichtmessmonat und Lichtmessmarkt umzubenennen, was sich aber nicht durchgesetzt hat.cite-ref-nb-111-41-0[41] Eine andere ErklĂ€rung könnte sein, dass die Distingsregel nach Olaus Magnus lautete, dass das Disting am ersten Vollmond nach dem ersten Erscheinen der Mondsichel nach dem Dreikönigstag beginnen soll, was im Zeitraum zwischen dem 21. Januar und dem 19. Februar der Fall ist. Der 2. Februar liegt genau in der Mitte.cite-ref-nb-111-41-1[41]
Die Angabe Snorris ânach EinfĂŒhrung des Christentumsâ bezieht sich auf einen Prozess, fĂŒr den heute mehrere hundert Jahre veranschlagt werden. Man wird diese Zeitangabe so verstehen dĂŒrfen, dass die Verlegung des Distings auf die Zeit um MariĂ€ Lichtmess geschehen ist, als die Opferfeiern in Uppsala aufhörten und Uppsala seine Bedeutung als heidnischer Kultort verlor.cite-ref-nb-112-42-0[42] Als Terminus post quem wird man fĂŒr die Verschiebung die 1070er Jahre ansehen mĂŒssen, da Adam von Bremen fĂŒr diese Zeit fĂŒr Uppsala noch den heidnischen Kult beschreibt. Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die erste Steinkirche in Alt-Uppsala errichtet und Dokumente von 1141 / 1142 nennen als ersten Bischof von Uppsala Bischof Sigwardus. In diesem Zwischenzeitraum verlegte der König seine Residenz von Alt-Uppsala nach Aros, dem heutigen Uppsala. Zu dieser Zeit wurde auch der Julianische Kalender eingefĂŒhrt, der die Voraussetzung dafĂŒr ist, dass das Disting an den Dreikönigstag angekoppelt werden konnte. In der kirchlichen Komputistik ist der Dreikönigstag Ausgangspunkt fĂŒr die Festlegung von Ostern, der Fastenzeit, von Pfingsten und anderer Feste. Der Ostertermin verschiebt sich nach der Goldenen Zahl des Mondkalenders innerhalb eines Intervalls von 19 Jahren. Die Ă€ltesten Belege fĂŒr die Anwendung der Goldenen Zahl in Skandinavien befindet sich in Runenschrift an einem Taufbecken der BĂ„rse-Kirche in Seeland aus dem 13. Jahrhundert,cite-ref-nb-113-43-0[43] einem Kalenderstab aus Nyköping aus der gleichen Zeit und einem altgutnischen Kalender von 1328.cite-ref-nb-114-44-0[44]
Dadurch, dass im Mittelalter die MĂ€rkte und Tingzeiten zeitlich an die kirchlichen Hochfeste gekoppelt waren, die sich ihrerseits nach dem Zyklus der Goldenen Zahl richten, wurde dieser 19-Jahreszyklus mittelbar auch fĂŒr diese Veranstaltungen maĂgeblich. WĂ€hrend allmĂ€hlich die ĂŒbrigen Ting- und Marktzeiten im Lande an einem bestimmten Termin im Kalender des Kirchenjahres stattfanden, ĂŒberlebte in Uppsala die an den Vollmond des Mondkalenders gekoppelte Terminierung des allgemeinen Distings. Doch die Berechnung der Termine nach der Goldenen Zahl wies gegenĂŒber den astronomischen Vollmondzeiten einen allmĂ€hlich wachsenden Fehler auf. Im 13. Jahrhundert lag der astronomische Termin fĂŒr den Vollmond drei Tage vor dem nach der Goldenen Zahl berechneten Termin. Der Distingstermin in Uppsala wurde aber wie in der vorkirchlichen Zeit nach dem astronomischen Vollmond bestimmt.cite-ref-nb-114-44-1[44] Da die Bestimmung des Zeitpunkts fĂŒr das Disting an den Dreikönigstag des Julianischen Kalenders gebunden war, kann die Regel des Olaus Magnus nicht vor der Mitte des 12. Jahrhunderts gebildet worden sein, da erst in dieser Zeit der Julianische Kalender eingefĂŒhrt wurde.
Diese Umstellung der Terminsbestimmung von ursprĂŒnglich dem Monat GĂłi drei Monate nach der Wintersonnenwende zum Dreikönigstag fĂŒhrte auch zur Verlegung des Beginns des Monats Torre, dem zweiten Monat nach der Wintersonnenwende, auf den ersten Neumond nach dem Dreikönigstag. Damit wurde fĂŒr den Distingsmarkt, der in der vorkirchlichen Zeit zum Vollmond im Monat GĂłi abgehalten wurde, im frĂŒhen Mittelalter festgelegt, dass er zur Zeit des Vollmondes im Mondmonat Torre stattfand. Im 19. Jahrhundert kam in einigen Gebieten Mittelschwedens die Bezeichnung Torre zu Gunsten anderer gebrĂ€uchlicher Bezeichnungen, wie Disa, Dis-Monat und Distingsmonat auĂer Gebrauch.cite-ref-nb-116-45-0[45]
MittsommerblĂłt
Die Nachrichten ĂŒber ein MittsommerblĂłt sind sehr spĂ€rlich und fragwĂŒrdig. Es wurde im Zwischenraum zwischen dem Ende der FrĂŒhjahrsarbeit und der Heumahd gefeiert. Prozessionen mit grĂŒnen Zweigen und Opfer an den Quellen fĂŒr einen guten Sommer sollen ĂŒblich gewesen sein. Möglicherweise kamen auch Mittsommerfeuer vor. Aber es gibt keine Quelle fĂŒr einen Beleg fĂŒr ein offizielles Mittsommerfest. Aus dem Frostathingslov geht hervor, dass am Johannistag ein privates Festgelage ĂŒblich war. Aber weder Maibaum noch eine Mittsommerstange wird in den wikingerzeitlichen Quellen erwĂ€hnt. Sie scheinen spĂ€t aus Deutschland ĂŒbernommen worden zu sein.cite-ref-bmn-24-46-0[46] Snorri schreibt in Kap. 67 seiner ĂlĂĄfs saga Tryggvasonar, dass es bei gröĂeren Festen frĂŒher zu Menschenopfern gekommen sei.
HerbstblĂłt
In der GĂsla saga SĂșrssonar wird in Kap 10 und 15 das HerbstblĂłt zur Zeit der WinternĂ€chte erwĂ€hnt, das dem Freyr gewidmet war. Das bereits erwĂ€hnte DisablĂłt in der Egils saga war ebenfalls ein HerbstblĂłt. NĂ€heres ist aber dazu nicht ĂŒberliefert.
In Kap 44 der Egils saga Skalla-GrĂmssonar wird ein Herbst-BlĂłt auf dem Königshof auf der Insel Atley (heute AtlĂžyna vor der MĂŒndung des Dalsfjords) geschildert. Am Abend des DisablĂłts kommt Egill zum GroĂbauern Barð. Dieser entschuldigt sich, kein Bier im Hause zu haben. SpĂ€ter am Abend kommt der König, es wird in der Halle gefeiert, und das Bier flieĂt in Strömen.
Private Feste
AuĂerdem gab es viele Lokalheilige, an deren Festtag Feste gefeiert wurden.
ĂlfablĂłt
Als privates Opferfest wird an einer Stelle fĂŒr VĂ€rmland auch das ĂlfablĂłt (ElfenblĂłt) erwĂ€hnt. Von ihm wissen wir so gut wie nichts. Es war lokal und wurde von Frauen geleitet, und Fremde hatten keinen Zutritt. Da es den Elfen als allgegenwĂ€rtigen MĂ€chten gewidmet war und es von Frauen geleitet wurde, vermutet man, dass es um Ahnen und Fruchtbarkeit ging. Die einzige Nachricht von dem Fest liefert Sigvat, der Skalde Olafs des Heiligen. Der Skalde macht frĂŒh im Winter eine Reise nach Osten, und da widerfĂ€hrt ihm folgendes:
âĂĂĄ kom hann að öðrum garði. Stóð ĂŸar hĂșsfreyja Ă durum, ĂŸað hann ekki ðar inn koma, segir að ĂŸau sĂŠttu ĂĄlfablĂłt.â
âDa kam er an einen anderen Hof. Stand da die Hausfrau in der TĂŒre, er dĂŒrfe nicht hineinkommen, sagt, es werde gerade das Elfenopfer abgehalten.â
â
Heimskringla. Saga Ălafs hins helga Kap. 91.
Bei der Zeitangabe âfrĂŒh im Winterâ dĂŒrfte es sich um die MittwinternĂ€chte gehandelt haben.
ĂorrablĂłt
Ăber das alte ĂorrablĂłt, das im 19. Jahrhundert in Island wiederbelebt wurde und bis heute gefeiert wird, ist so gut wie nichts bekannt. Es soll von dem Sagenkönig Ăorri im Winter gefeiert worden sein, weshalb der erste Monat nach dem zweiten Julmonat den Namen Ăorri erhalten habe. Aber es ist weder ĂŒberliefert, wann und wie es gefeiert wurde, noch, ob es dazu ĂŒberhaupt eine Tradition gegeben hat.cite-ref-hal-47-0[47]
Völseblót
FĂŒr Nordnorwegen ist fĂŒr die WinternĂ€chte das VölseblĂłt (Phallusfest; vÇ«lsi = Penis vom Schlachtpferd) in der FlateyjarbĂłk ĂŒberliefert: Beim Abendessen wird der Pferdephallus aus einer Kiste, in der er mit Lauch, KrĂ€utern und Leinen eingewickelt ist, entnommen und herumgereicht, und jeder muss einen sexuellen Vers dazu aufsagen oder ein solches Lied singen. Zwischen den BeitrĂ€gen wird die Opferformel âĂiggi mörnir / ĂŸetta blĂŠti âŠâ (Nimm, Mörnir, dieses Opfer an âŠ).cite-ref-gs-351-48-0[48] Das Ritual wird von der Hausfrau geleitet. Das Alter dieses Brauchs und die Bedeutung des Wortes âMörnirâ sind umstritten.cite-ref-gs-352-49-0[49] Die FlateyjarbĂłk wurde Ende des 14. Jahrhunderts niedergeschrieben, aber der Text wirkt altertĂŒmlich und wird daher fĂŒr weitaus Ă€lter gehalten.cite-ref-sv-50-0[50]
Andererseits könnte es sich auch um eine mittelalterliche burleske Darstellung eines heidnischen Brauchs handeln, der das Heidentum lÀcherlich machen sollte.cite-ref-gs-352-49-1[49]
âMörnirâ wird als Jötunnweib (Riesin) gedeutet, der dieses BlĂłt geweiht sei. Da das Pferd dem Freyr heilig war, könnte der Phallus ihn symbolisieren und das Ritual eines Hieros gamos zwischen Freyr und einer Riesin darstellen. Die neuere Forschung hat ihr Augenmerk stĂ€rker auf die Riesinnen gelenkt. Sie waren mĂ€chtige KrĂ€fte und stellten den eisernen Griff des Winters dar und mussten zu bestimmten Zeiten verehrt werden. Der Penis wurde in Lauch und Leinen gewickelt aufbewahrt. Nördlich von Bergen wurde ein Schaber aus Knochen gefunden, auf denen Runen aus dem 5. Jahrhundert eingeritzt sind; âLinalaukaRâ (Leinen und Lauch). Der Schaber wurde sicher zum Reinigen der Tierhaut bei der Schlachtung verwendet. Dem Lauch wurde konservierende Kraft beigemessen und symbolisierte das Maskuline, das Leinen symbolisierte das Feminine.cite-ref-gs-351-48-1[48]
Siehe auch
Literatur
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âą John Granlund: âDistingâ in: Kulturhistorisk leksikon for nordisk middelalder. Band 3. Kopenhagen 1958. Sp. 115â116.
âą Sam Owen Jansson: âDistingsregelnâ in: Kulturhistorisk leksikon for nordisk middelalder. Band 3. Kopenhagen 1958. Sp. 112â115.
âą MagnĂșs MĂĄr LĂĄrusson: âMarked (Island)â in: Kulturhistorisk leksikon for nordisk middelalder. Band 11. Kopenhagen 1966. Sp. 453â455.
âą Sven Ljung: âMarked (Sverige)â in: Kulturhistorisk leksikon for nordisk middelalder. Band 11. Kopenhagen 1966. Sp. 448â452.
⹠Andreas Nordberg: Jul, disting och förkyrklig tiderÀkning. (PDF; 2,1 MB) Kalendrar och kalendarisk riter i det förkristna Norden. Uppsala 2006.
⹠Britt-Mari NÀsström: Fornskandinavisk Religion. En Grundbok. Lund 2002, ISBN 91-44-02223-9.
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âą Orla Vestergaard: âMarked (Danmark)â in: Kulturhistorisk leksikon for nordisk middelalder. Band 11. Kopenhagen 1966. Sp. 445â448.
âą Kustaa Vilkuna: âMarked (Finland)â in: Kulturhistorisk leksikon for nordisk middelalder. Band 11. Kopenhagen 1966. Sp. 455â456.
ErlÀuterungen und Einzelnachweise
cite-note-gs-70-11. â Steinsland S. 270.
cite-note-ov45-22. â Vestergaard Sp. 445.
cite-note-gs-69-33. â Steinsland S. 269.
cite-note-sl49-44. â Ljung Sp. 449.
cite-note-ov46-55. â Vestergaard Sp. 446.
cite-note-gw-66. â So z. B. Charlotte Fabech: Society and landscape. From collective manifestations to ceremonies of a new ruling class. In: Hagen Keller u. a. (Hrsg.) Iconologica Sacra. Mythos, Bildkunst und Dichtung in der Reliegions- und Sozialgeschichte Alteuropas. Festschrift fĂŒr Karl Hauck zum 75. Geburtstag. Berlin 1994, ISBN 3-11-013255-9, S. 132â143 und Ulf NĂ€smann: Liv og död. Sydskandinaviska grav- og offerriter frĂ„n 200 till 1000 e.Kr. In: Jens Peter SchjĂždt u. a. (Hrsg.): Myte og ritual i det fĂžrkristne Norden. Odense 1994, ISBN 87-7838-053-7, S. 73â94.
cite-note-ob-77. â Ălafur Briem: Eddu kvĂŠdi ReykjavĂk 1968. weist zum Vers 137 darauf hin, dass der gesamte Vers zwar unklar ist, aber wohl eine Hausmedizin beschreibt, so dass es sich um eine Heilung durch Erbrechen handeln könnte.
cite-note-gs-77-88. â Steinsland S. 277.
cite-note-kvs-5-7-99. â SigrdrĂfumĂĄl Strofe 18. Klaus von See u. a.: Kommentar zu den Liedern der Edda. Band 5. Heidelberg 2006, ISBN 3-8253-5180-7, S. 587.
cite-note-gs-78-1010. â Steinsland S. 278.
cite-note-erl-2-1111. â Friðar ist wortverwandt mit âfrillaâ = Nebenfrau, Geliebte.
cite-note-gs-79-1212. â Steinsland S. 279 unter Hinweis auf Walter Baetke.
cite-note-ah-93-1313. â Anders HultgĂ„rd: Altskandinavische Opferrituale und das Problem der Quellen. In: Tore AhlbĂ€ck (Hrsg.) The Problem of ritual. Ă
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cite-note-km-5-1515. â Konrad Maurer: Altnordisches Staats und Gerichtswesen. Band I, Leipzig 1907, S. 105 unter Hinweis auf § 61 ff. des Gulathingslov.
cite-note-nb-85-1616. â Nordberg S. 85.
cite-note-nb-100-1717. â Nordberg S. 100.
cite-note-erl-1-1818. â Gemeint ist der Sieg ĂŒber den Winter.
cite-note-nb-77-1919. â Nordberg S. 77.
cite-note-nb-77f-2020. â Nordberg S. 77 f.
cite-note-211. 2. Buch, Kap 47. Ăbersetzt von Julius Friedrich Wurm.
cite-note-nb-79-2222. â Nordberg S. 79.
cite-note-232. Ăbersetzt von Werner Trillmich. In den Monumenta Germaniae Historica ist das Zitat 1. Buch Kap. 9
cite-note-nb-82-2424. â Nordberg S. 82.
cite-note-nb-82-n-2525. â Nordberg S. 82 fĂŒhrt die Autoren in Fn. 250 auf.
cite-note-osr-2626. â Otto Theodor Ludwig Sigfrid Reuter: Germanische Himmelskunde. Untersuchungen zur Geschichte des Geistes. MĂŒnchen 1934, S. 483 f. Nach Uwe Puschner: Reuter, Otto Theodor Ludwig Sigfrid. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 21. Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 465â467 (deutsche-biographie.de). war Reuter (1876â1945) ein âvölkischreligiöser Ideologeâ. Diesem Umstand könnte es zu verdanken sein, dass seine ErklĂ€rung der Zahl Neun erst in den 1990er-Jahren rezipiert wurde.
cite-note-nb-82-r-2727. â Nordberg S. 82 Fn. 251 fĂŒhrt die neueren zustimmenden Arbeiten auf.
cite-note-nb-86-2828. â Nordberg S. 86.
cite-note-ab-27-s-2929. â Adam von Bremen, Bischofsgeschichte der Hamburger Kirche. 4. Buch, Scholion zu Kap. 27.
cite-note-saob-3030. â Im Svenska akademiens ordbok (Memento des Originals vom 2. MĂ€rz 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/g3.spraakdata.gu.se steht unter dem Lemma âDistingâ: âbenĂ€mning pĂ„ den urgamla marknad med i Ă€. tid Ă€fv. i viss mĂ„n judiciell karaktĂ€r ⊠som Ă„rligen under Ă„tta dagar hölls i Uppsala i göjemĂ„nadâ (Bezeichnung eines uralten Marktes mit in frĂŒherer Zeit auch einem judiziellen Charakter, der in Uppsala im Monat Göj (Monat nach dem Julmonat)) acht Tage lang abgehalten wurde.
cite-note-nb-90-3131. â Nordberg S. 90.
cite-note-nb-96-3232. â Nordberg S. 96.
cite-note-nb-101-3333. â Nordberg S. 101 nennt die genaue Stelle bei Prokop nicht.
cite-note-nb-103-3434. â Nordberg S. 103.
cite-note-nb-105-3535. â Nordberg S. 105.
cite-note-kvs-5-3-3636. â SigrdrĂfumĂĄl Strofe 9. Klaus von See u. a.: Kommentar zu den Liedern der Edda. Band 5. Heidelberg 2006, ISBN 3-8253-5180-7, S. 563.
cite-note-bmn-23-3737. â NĂ€sström S. 223.
cite-note-nb-107-3838. â Nordberg S. 107.
cite-note-nb-108-3939. â Nordberg S. 108.
cite-note-nb-109-4040. â Nordberg S. 109.
cite-note-nb-111-4141. â Nordberg S. 111.
cite-note-nb-112-4242. â Nordberg S. 112.
cite-note-nb-113-4343. â Nordberg S. 113.
cite-note-nb-114-4444. â Nordberg S. 114.
cite-note-nb-116-4545. â Nordberg S. 116.
cite-note-bmn-24-4646. â NĂ€sström S. 224 f.
cite-note-hal-4747. â E. F. Halvorsen: âĂorriâ in: Kulturhistorisk leksikon for nordisk middelalder. Kopenhagen 1976. Sp. 396.
cite-note-gs-351-4848. â Steinsland S. 351.
cite-note-gs-352-4949. â Steinsland S. 352.
cite-note-sv-5050. â Gro Steinsland und Kari Vogt: Aukinn ertu Uuolsi ok upp um tekinn. En religionshistorisk analyse av âVölsaĂŸĂĄttrâ in FlateyjarbĂłk. Arkiv fĂŒr nordisk filologi 96. 1981, S. 87â106 meinen sogar, dass dieser Phalluskult ĂŒber fast 1000 Jahre hin ĂŒberliefert worden sei.